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Crottendorfer Lichterengel

Crottendorfer LichterengelCrottendorfer Lichterengel, Erzgebirge, mit Kaninchenfell, um 1920

Fast vergessen waren Bornkinnel und Lichterpuppe in der DDR. Oder besser gesagt, nicht so erwünscht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass man den Engeln die Flügel „stutzen“ sollte, um aus einem Lichterengel ein Lichtermädchen zu machen. Jedenfalls war man recht einfallsreich um diese christlichen Botschafter irgendwie in der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen. Aber viele Erzgebirger, Vogtländer und Thüringer waren und sind diesen Traditionen treu geblieben. Die Flügel blieben dran.

Die erzgebirgischen Christkinder

Die Menschen im alten Erzgebirge waren ein gläubiges Volk und so entstand mit viel Geschick ein symbolisches Christkind aus Holz mit Puppenkopf.

Weißer Fellmantel, spitzes Häubchen und Lichterbogen (oft auch mit Kerze und Zweig) sind die Besonderheiten dieser Christkinder aus dem mittleren Erzgebirge. Das Leuchten der Lichterbögen und das Lächeln dieser Püppchen verbreiten eine friedliche, besinnliche und wärmende Atmosphäre.

Die Lichterpuppen werden am Heiligen Abend (Christgeburt) mit dem Blick nach draußen, an das Fenster gestellt und sie bleiben bis Lichtmess (2. Februar) an diesem Ort stehen.

Christkinder mit rosa Mützchen am Fenster waren ein Zeichen für weibliche und die mit blauen Mützchen für männliche Nachkommen.

Ursprung dieser Christkinder

Der Ursprung ist Crottendorf, ein kleiner Ort bei Annaberg-Buchholz. Crottendorf? Schon einmal gehört? Doch in welchem Zusammenhang? Ich helfe Ihnen auf die Sprünge: Sie kennen diesen Namen gewiss durch Räucherkerzen oder wie wir sagen „de Weihrauchkarzeln“. Ein typische kegelförmiger Duftbegleiter in der Weihnachtszeit und der „Tabak“ der hölzernen qualmenden Räuchermänner. Dort in Crottendorf lebte auch der Erfinder dieser Lichterpuppen.

Wie sahen die ersten erzgebirgischen Lichterpuppen aus?

Obenauf ein Puppenkopf. Die Körper der Figuren wurden aus Holz geschnitzt, später gedrechselt oder es wurde einfach ein Natureller Stamm eingesetzt – es waren oftmals einfache Holzdocken. Sockel, Flügel (Wenn vorhanden), Füße und Hände bzw. Arme wurden ebenfalls geschnitzt. Weiterhin waren diese Figuren bekleidet mit einem einfachen weißen Stoffkleid. Es waren schlichte Christkindfiguren mit großer Wirkung. Oder man könnte meinen, bescheidene Engelchen.

Von Hand zu Hand wurde ein Holzbogen (Joch), auf welchem sich Kerzen befanden bzw. ein Schriftzug „Ehre sei Gott in der Höhe“.

Kerzenlicht ist auch heute noch ein Symbol für Frieden, Liebe, Wärme und Besinnlichkeit. Auch war das Christkind der Begleiter der Bergleute, die in der kalten Jahreszeit kaum Tageslicht zu sehen bekamen. Die Arbeit unter Tage war voller Gefahren. So entstand auch die Gruppierung Bergmann und Engel. Der Engel als Beschützer und Spender des warmen Lichts.

Weiterentwicklung

Das Baumwollleid wurde um 1920 durch den Crottendorfer Erfinder gegen ein Kaninchenfell ausgetauscht. Das Christkind sollte im Gebirge nicht so frieren, denn früher herrschte auch hier noch ein richtiger Winter. Statt der nackten Füße wurde es mit Holzstiefelchen „bekleidet“. Auf den Kopf setze man ein spitzes Häubchen in blau oder rosa. Im Allgemeinen bekamen diese Figuren ein ganz anderes Aussehen. Als Frisur diente oftmals nur ein aufgeklebter Pony und an das Häubchen wurden Korkenzieherlöckchen angeheftet. Die Menschen im Erzgebirge waren arm aber verfügten über Erfindergeist. Mit Perücken wurden diese Lichterengel selten versehen, da kaum welche vorhanden waren. Inzwischen werden auch Lichterpuppen ganz aktuell mit Fellimitat – Mantel angeboten. Übrigens, Lichterpuppen werden fälschlicherweise auch als Bornkinnel bezeichnet. Doch diese sakralen Christkindfiguren haben eine andere Geschichte.

 

Zu sehen im ERSTEN DEUTSCHEN ENGEL-MUSEUM ENGELSKIRCHEN

  1920  /  Allgemein  /  Last Updated Oktober 27, 2015 by admin  / 

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